An einem Sonntag im April 2026 hat ein Autofahrer aus dem Landkreis Schweinfurt sein E-Auto geladen und dafür rund 5 Euro bekommen. Nicht bezahlt, bekommen. Möglich war das, weil sein Strompreis sich stündlich an der Börse orientiert. Seit 2025 muss jeder Versorger so einen dynamischen Tarif anbieten. Was passiert, wenn ein Stadtwerk daraus mehr macht als eine Pflichtübung?
Darüber spreche ich mit Matthias Volk von den Stadtwerken Schweinfurt und Justus Ameling von der Universität Würzburg. Gemeinsam haben sie im Transferprojekt KI-Regio der Universität Würzburg einen eigenen Tarif entwickelt und mit Haushalten aus der Region im Feld getestet.
Aus dem Gespräch
„Wir werden den Preiskampf auf irgendwelchen Vergleichsportalen nicht täglich gewinnen können. Das funktioniert nicht.“ (Matthias Volk)
„Häufig muss man halt eben erst in Vorleistung gehen, um gute Datenqualität zu sammeln, um dann nachher KI bauen zu können.“ (Justus Ameling)
„Man muss jetzt kein Technologiekonzern sein, um KI zu nutzen. Wir sind ein lokales Stadtwerk.“ (Matthias Volk)
Themen der Folge
⚡ Negative Strompreise: An einem Sonntag im April war so viel Sonnen- und Windstrom im Netz, dass ein Teilnehmer beim Laden seines E-Autos rund 5 Euro gutgeschrieben bekam.
🏢 Aus der Pflicht ein Produkt: Seit 2025 muss jeder Versorger einen dynamischen Tarif anbieten. Die Stadtwerke Schweinfurt haben daraus mit der Universität Würzburg einen Feldversuch gemacht.
🎚️ Der Regler: Die Haushalte entscheiden jeden Monat, welcher Anteil ihres Verbrauchs fix und welcher dynamisch abgerechnet wird. Nach der Testphase ist kaum jemand abgesprungen.
🤖 Erst Daten, dann KI: Smart Meter, Cloud und App waren die Vorarbeit. Jetzt geht es um bessere Lastprognosen, fehlende Messwerte und intelligente Preise.
Über die Gäste
Matthias Volk ist bei der Stadtwerke Schweinfurt GmbH Teamleiter für Kundenservice, Vertrieb und Marketing und verantwortet dort alles rund um Tarife und Preise. Er hat den Feldversuch auf Seiten des Stadtwerks angestoßen und bringt den dynamischen Tarif jetzt in den Regelbetrieb.
Justus Ameling ist wissenschaftlicher Mitarbeiter und Doktorand am Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und Künstliche Intelligenz im Unternehmen von Prof. Dr. Gunther Gust an der Universität Würzburg. Er hat den Feldversuch auf Seiten der Universität federführend begleitet, die Daten aus dem Projekt sind Grundlage seiner Forschung zu Lastprognosen und Tarifdesign. Bei Arbeit Bildung Zukunft war er bereits in der Folge zu PV und Batteriespeichern zu Gast.
Links und Ressourcen
KI-Regio, Universität Würzburg
KI-Regio: Multimediareportage zu dynamischen Stromtarifen
Stadtwerke Schweinfurt: Flexible Stromtarife
Stadtwerke Schweinfurt: Forschungsprojekt KI-Regio
Lehrstuhl für Wirtschaftsinformatik und KI im Unternehmen, Universität Würzburg
Feldstudie zu dynamischen Stromtarifen gestartet (WiWi-Campus, Juni 2025)
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