Deutschland, das Land der klugen Köpfe, liegt bei PISA 2025 nur noch im Mittelmaß. Die Schülerinnen und Schüler aus den sozial stärksten Familien gehören weiter zur internationalen Spitze. Am anderen Ende verliert das Bildungssystem immer mehr Kinder, und das seit 25 Jahren. An der Intelligenz liegt es nicht. Woran dann?
Darüber spreche ich mit Prof. Dr. Heinz Reinders, Inhaber des Lehrstuhls für Empirische Bildungsforschung an der Universität Würzburg. Er bildet seit 25 Jahren Lehrkräfte aus und nimmt in dieser Folge ausdrücklich auch seinen eigenen Berufsstand in die Pflicht.
Aus dem Gespräch
„Du sitzt in der Straßenbahn nach der Schule, zählst die Kinder durch, und jedes fünfte Kind ist eines, wo du sagst: Das Bildungssystem schafft es nicht, dieses Kind gemäß seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten zu fördern.“ (Heinz Reinders)
„Wer es in der Schule nicht begriffen hat, wird es auch zu Hause bei einem Arbeitsblatt von oben links nach unten rechts nicht begreifen.“ (Heinz Reinders)
„Ich unterrichte nicht Mathe, ich unterrichte das Kind.“ (Heinz Reinders)
Themen der Folge
📉 Was PISA 2025 zeigt: Im Schwerpunkt Naturwissenschaften liegt Deutschland nur noch im Mittelmaß. Die sozial Stärkeren gehören mit rund 550 Punkten zur internationalen Spitze, am unteren Ende verliert das System nach Heinz Reinders fast jedes fünfte Kind.
🦷 Die Rolle der Lehrkräfte: Warum Heinz das Bildungssystem hermetisch nennt, was ein Zahnarzt mit Hausaufgaben zu tun hat und wo Lehrkräfte zu Recht sagen, dass ihnen zu viel aufgeladen wird.
🧒 Der wichtigste Hebel: das einzelne Kind sehen. Mehr Pädagogik in der Lehrkräftebildung, Schulen, die als Team arbeiten, und Hausaufgaben, die die soziale Schere nicht weiter öffnen.
🤖 KI im Klassenzimmer: Über 90 Prozent der Jugendlichen nutzen KI, drei Viertel davon für Schule und Hausaufgaben. Warum Problemlösen wichtiger wird als reines Fachwissen und Prüfungen den Prozess bewerten sollten.
Über den Gast
Prof. Dr. Heinz Reinders hat seit 2007 den Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg inne. Er hat an der Freien Universität Berlin Erziehungswissenschaft, Psychologie und Soziologie studiert, 2001 promoviert und sich nach Jahren an der Universität Mannheim 2006 habilitiert. Seine Schwerpunkte sind Evaluationsforschung, Sozialisation im Jugendalter, Migrationsforschung und Service Learning, also Lernen durch gesellschaftliches Engagement. Mit seinem Team begleitet er Schulen im Startchancen-Programm. Außerhalb der Uni engagiert er sich im Mädchen- und Frauenfußball der Würzburger Kickers und hat die erste Forschungsstelle für Mädchen- und Frauenfußball in Deutschland gegründet.
Links und Ressourcen
Lehrstuhl für Empirische Bildungsforschung, Universität Würzburg
Prof. Dr. Heinz Reinders auf LinkedIn
OECD: PISA 2025, Ländernotiz Deutschland
Deutscher Bildungsserver: Pressedossier zu PISA 2025
JIM-Studie 2025: Pressemitteilung zur KI-Nutzung von Jugendlichen
Das Startchancen-Programm von Bund und Ländern
Heinz Reinders: Lernprozesse durch Service Learning an Universitäten
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